Beratung?
Close
Haben Sie Fragen zur Vorbereitung?
Wir beraten Sie gerne!
Ich möchte gerne kontaktiert werden, via...
Unter welcher Nummer sind Sie erreichbar?

Lernen zu Hause –
ich will doch nur helfen!

Lernen zu Hause sollte helfen – und wird doch oft zum täglichen Kampf. Nicht, weil Kinder nicht wollen oder Eltern etwas falsch machen, sondern weil Beziehung, Druck und Erwartungen gleichzeitig wirken. Dieser Artikel zeigt, warum Lernen im Familienkontext so schnell eskaliert – und was Eltern wirklich entlastet, wenn nichts mehr einfach läuft.

von: Sandra Zogg
Fast alle Eltern gehen mit einer ähnlichen Hoffnung in die Lernzeit: Wir setzen uns kurz hin, klären das Nötigste, dann läuft es. Und fast alle erleben irgendwann das Gegenteil. Widerstand. Tränen. Diskussion. Gereiztheit. Das Gefühl, ständig antreiben zu müssen – oder irgendwann selbst zu explodieren.

Wichtig ist zuerst diese Entlastung: Wenn Lernen zu Hause schwierig ist, ist das kein Zeichen von Versagen. Und sehr oft auch kein Zeichen fehlender Fähigkeit beim Kind. Was hier kollidiert, sind mehrere Ebenen gleichzeitig: emotionale Nähe, Leistungsanforderungen, Zeitdruck, unausgesprochene Erwartungen und ein Gehirn, das im Stress nicht mehr lernt, sondern schützt.
Lernen zu Hause – Gymivorbereitung Zürich

Druck erzeugt Gegendruck – und da ist kein Druck, sondern Biologie

Viele Eltern denken lange:  Wenn ich es besser erkläre, ruhiger bleibe oder konsequenter bin, müsste es doch gehen. Aber genau hier liegt der Denkfehler. Denn das, was zu Hause eskaliert, ist in den wenigsten Fällen ein reines Wissensproblem. Zu Hause lernen Kinder nicht neutral. Sie lernen im Beziehungsraum. Und dieser Raum ist emotional aufgeladen: Eltern wollen helfen, haben Sorgen, Erwartungen, manchmal auch Angst. Kinder spüren das – und reagieren darauf. Nicht mit mehr Konzentration, sondern oft mit Rückzug oder Widerstand. Das ist nicht «undankbar», sondern ein Schutzmechanismus: Sobald Druck entsteht, wird das Gehirn wachsamer – und Lernen wird schwieriger. Das Kind ist dann nicht im Modus «Ich lerne», sondern im Modus «Ich muss mich verteidigen». Und je mehr man im Stress versucht, es «hinzubiegen», desto mehr Gegendruck entsteht.

Das erklärt auch, warum zu Hause manchmal ausgerechnet bei den engagiertesten Eltern der grösste Kampf entsteht. Nicht weil sie etwas falsch machen, sondern weil ihre Nähe so bedeutsam ist.

Wenn Eltern zur Lehrperson werden, kippt die Dynamik

Eltern rutschen fast automatisch in eine Rolle, die ihnen eigentlich gar nicht zusteht: die der Lehrperson. Sie erklären, korrigieren, vergleichen, erinnern, treiben an. Aus Liebe – aber mit Folgen.

Für Kinder fühlt sich das häufig nicht nach Unterstützung an, sondern nach Kontrolle. Nach «Ich genüge nicht», «Ich mache es falsch», «Man traut mir nicht zu, das alleine zu schaffen». Selbst wenn der Ton freundlich ist, kann die Botschaft beim Kind so ankommen, weil Elternfeedback nie nur «Inhalt» ist. Es ist immer auch Beziehung.
Das führt zu einem paradoxen Effekt. Je mehr Eltern helfen, desto weniger übernimmt das Kind Verantwortung. Und desto mehr Konflikt entsteht. Entlastend wirkt oft eine klare innere Entscheidung: Ich bin nicht für den Lernerfolg zuständig, sondern für den Rahmen. Der Rahmen meint Zeit, Ort, Start und Ende, Pausen und Atmosphäre. Das Denken, Ausprobieren und Lernen darf – und soll – beim Kind bleiben.

Das ist nicht, «sich aus der Verantwortung stehlen». Es ist die klügste Form von Verantwortung: eine, die dem Kind wieder Zutrauen und Selbstwirksamkeit zurückgibt.

Der wahre Knackpunkt ist fast immer der Anfang

Viele Kinder scheitern zu Hause nicht, weil sie den Stoff nicht genug können, sondern weil sie Mühe haben mit dem Wie: anfangen, einen Plan machen, Zeit einschätzen, dranbleiben, Pausen sinnvoll nutzen. Das sind Fähigkeiten der Selbststeuerung. Und die entwickeln sich sehr unterschiedlich. Besonders im Übergang zur Gymivorbereitung oder ins Gymnasium werden diese Unterschiede plötzlich sichtbar.

Ein Kind kann klug, motiviert und interessiert sein – und trotzdem im Lernalltag völlig überfordert wirken. Es ist dann nicht «faul». Es hat schlicht zu wenig Werkzeug für eine Situation, die plötzlich mehr verlangt: mehr Eigenverantwortung, mehr Überblick, mehr Tempo. Und wenn ein Kind diese Werkzeuge nicht hat, versucht es, die Überforderung zu vermeiden. Vermeidung sieht von aussen aus wie «keine Lust». Von inne fühlt sie sich oft an wie: «Ich weiss nicht, wo anfangen – und ich halte das Gefühl nicht aus.»

Das ist kein Charakterproblem. Und kein Erziehungsproblem. Es ist ein Signal: hier braucht es Struktur, Vereinfachung, Unterstützung beim Prozess – nicht mehr Druck.

Reden im falschen Moment verschärft alles

Viele Konflikte entstehen nicht wegen der Aufgabe, sondern wegen der Gespräche darüber – zur falschen Zeit. Eltern wollen motivieren, beruhigen, erklären. Kinder hören im Stress vor allem Bewertung.

Darum ist die Reihenfolge entscheidend: Erst regulieren, dann strukturieren, dann lernen. Wenn ein Kind emotional hochgefahren ist, braucht es zuerst Ruhe im Nervensystem. Ein kurzer Unterbruch, frische Luft, ein Glas Wasser, zwei ruhige Minuten. Erst danach kann Denken wieder einsetzen. Gespräche im Lernmoment sind oft gut gemeint – aber selten hilfreich.

Das heisst nicht, dass man gar nicht sprechen soll. Es heisst: Man spricht besser vorher (Plan) oder nachher (kurzer Rückblick), nicht im Moment, in dem das Kind gerade kämpft.

Weniger erklären – mehr zutrauen

Ein schmerzhafter Punkt für viele Eltern: Je mehr sie erklären, desto weniger klappt es. Nicht, weil sie schlecht erklären, sondern weil Erklären Verantwortung verschiebt. Das Denken wandert vom Kind zur erwachsenen Person. Und wenn das Kind merkt: «Aha, ohne dich geht’s nicht», wird es beim nächsten Mal noch weniger starten – nicht aus Absicht, sondern aus Lernerfahrung.

Fragen statt Erklärungen halten die Verantwortung beim Kind. Sie signalisieren: Ich traue dir zu, einen Weg zu finden. Und sie reduzieren Machtkämpfe. Lernen wird wieder etwas, das dem Kind gehört – nicht etwas, das von aussen gesteuert wird.

Das braucht manchmal Mut, weil Eltern damit aushalten müssen, dass das Kind kurz strauchelt. Aber genau in diesem Straucheln entsteht die Kompetenzen, die später tragen: selbst beginnen, selbst denken, selbst dranbleiben.

Warum man oft genau im falschen Moment aufhört

Ein weiterer häufiger Stolperstein beim Lernen zu Hause ist paradox: Man hört nicht zu früh, sondern zu spät auf.

Viele Eltern kennen diesen Gedanken: «Ach, jetzt läuft es gerade so gut … nur noch zehn Minuten.» Und genau diese zehn Minuten kippen oft alles. Die Konzentration lässt nach, Fehler häufen sich, die Stimmung wird gereizt – und aus einem guten Lernmoment wird doch wieder Frust.

Das liegt nicht an mangelndem Willen, sondern an der Funktionsweise des Gehirns. Lernen braucht Energie. Wenn diese aufgebraucht ist, schaltet der Körper nicht sanft ab, sondern abrupt. Das Kint merkt nur noch: Es wird anstrengend. Und dieses Gefühl bleibt hängen.

Was dabei verloren geht, ist der wichtigste Effekt guten Lernens: die positive Verknüpfung. Darum gilt: Immer lieber zu früh als zu spät aufhören. Immer an einem guten Punkt stoppen. Ein Lernblock sollte nicht enden mit Erschöpfung, sondern mit dem Gefühl: «Das ging. Das habe ich geschafft.»

Genau dieses Gefühl sorgt dafür, dass der nächste Einstieg leichter fällt. Wer dagegen regelmässig über die Grenzen geht, trainiert ungewollt etwas anderes: lernen fühlt sich anstrengend, zäh und nie ganz genug an. Gerade in der Gymivorbereitung – und erst recht im Gymnasium – ist es zentral, nicht maximale Lernzeit anzustreben, sondern nachhaltige Lernenergie. Man darf das Lernen ruhig beenden, wenn es noch gut läuft. Nicht trotz, sondern gerade wegen des Erfolgs.

Wann eine Abklärung entlastend sein kann

Ein Thema, das viele Eltern lange vermeiden – aus Angst vor Etiketten oder Konsequenzen. Dabei kann eine Abklärung etwas sehr Wichtiges leisten: Klarheit.

Nicht jedes Kind, das Mühe hat, braucht eine Abklärung. Aber wenn trotz Struktur, Ruhe und Unterstützung über längere Zeit kaum Fortschritt möglich ist, wenn Lesen, Schreiben oder Rechnen unverhältnismässig anstrengend bleiben, wenn Aufmerksamkeit und Emotionen den Alltag dominieren, dann darf man hinschauen.

Eine Abklärung sagt nicht: Da stimmt etwas nicht. Sondern: Wir wollen verstehen, wie dieses Kind lernt – und was es braucht. Allein dieses Verstehen nimmt oft enormen Druck raus. Auch für Eltern, weil es den Blick verändert: Weg von moralischer Deutung («Will es nicht?») hin zu passenden Massnahmen («Was hilft wirklich?»).

Eine kleine persönliche Beobachtung

Ich habe das auch im eigenen Umfeld erlebt. Mein Neffe wollte unbedingt ins Gymnasium. Er war motiviert, ehrgeizig, wollte es wirklich. Und trotzdem: Zu Hause – und auch bei mir – blockierte er immer wieder. Nicht aus Unwillen. Sondern weil Beziehung eben Beziehung ist.

Ich bin seine Tante. Ich meine es gut. Aber genau das reicht manchmal schon, damit Lernen schwierig wird. Jede Rückmeldung wird gehört mit einem Rucksack an Erwartungen, Geschichte, Nähe. Selbst dann, wenn sie sachlich und ruhig gemeint ist. Und wahrscheinlich war ich in dieser Rolle auch nicht neutral genug – so sehr man sich das wünscht.

Er hätte den Vorbereitungskurs problemlos im 1:1 mit mir machen können. Stattdessen entschied er sich bewusst für einen Gruppenkurs bei einer Lehrperson aus meinem Team. Nicht, weil dort mehr erklärt wurde oder der Stoff anders war – sondern weil diese Person nicht Teil der Familie war. Keine alte Dynamik, keine Erwartungen, keine unausgesprochenen Rollen.

Und etwas Entscheidendes kam hinzu: die Gruppe. Der Austausch mit anderen Jugendlichen tat ihm gut. Er merkte, dass er nicht allein ist. Er konnte sich vergleichen, diskutieren, Anschluss finden. Lernen war plötzlich nicht mehr etwas, das sich nach Druck anfühlte, sondern nach Bewegung.

Geklappt hat es am Ende trotzdem nicht mit dem Gymnasium. Aber es war kein Scheitern. Er machte danach eine Lehre mit BMS und ist heute an der Passerelle – ein Weg, den ich selbst gegangen bin. Ein anderer Weg. Kein gerader. Aber ein sehr stimmiger.

Diese Erfahrung hat mir klar gezeigt: manchmal braucht es eine dritte Person, damit Lernen überhaupt möglich wird. Und manchmal braucht es auch die Erkenntnis, dass es nicht zwingend das Gymnasium sein muss, um seinen Weg zu machen.

Unterstützung von aussen. Welche Form passt zu unserer Situation?

Wenn Lernen zu Hause immer wieder zu Streit führt oder sich festfährt, lohnt es sich, den Blick zu öffnen: Man muss das nicht allein lösen. Unterstützung von aussen kann sehr unterschiedlich aussehen – und genau darin liegt oft die Entlastung.

Für manche Familien steht der fachliche Aspekt im Vordergrund. Es gibt Lücken in Mathematik oder Deutsch, Unsicherheiten bei bestimmten Themen oder das Bedürfnis nach gezieltem Üben. In solchen Fällen kann eine Nachhilfe-Lehrperson oder ein privater Vorbereitungskurs sinnvoll sein. Der Vorteil liegt vor allem darin, dass der Stoff ausserhalb des familiären Rahmens erklärt und trainiert wird – ohne, dass jede Unsicherheit automatisch zu Hause diskutiert werden muss.

In vielen Situationen liegt die Schwierigkeit jedoch weniger im Stoff selbst, sondern im Lernprozess. Das Kind weiss grundsätzlich, was zu tun wäre, kommt aber nicht ins Arbeiten, verliert den Überblick, lernt ineffizient oder gerät unter Druck schnell in Blockaden. Genau hier setzt Lerncoaching an.

Lerncoaching kann sehr unterschiedlich aussehen. Es kann ein Kind beim selbständigen Vorbereiten begleiten, helfen, passende Lernstrategien aufzubauen, Struktur in den Lernalltag zu bringen über den Umgang mit Stress, Fehlern und Erwartungen zu verändern. In manchen Phasen richtet sich Lerncoaching auch bewusst an die Eltern – etwa um gemeinsam zu klären, wie Unterstützung aussehen kann, ohne ungewollt zusätzlich Druck zu erzeugen oder immer wieder in Konflikte zu geraten.

Bei uns ist Lerncoaching in unsere Vorkurse und Hauptkurse integriert und kann dort, wo es sinnvoll ist, durch Einzelgespräche mit dem Kind und/oder den Eltern ergänzt werden. Gleichzeitig beraten wir auch externe Familien gerne, unabhängig davon, ob ein Kurs besucht wird oder nicht. Ziel ist dabei nie, alles zu übernehmen, sondern das Lernen so zu gestalten, dass es wieder überschaubar, wirksam und entlastend wird.

Schlusswort: Lernen ist nie wichtiger als die Beziehung

Am Ende geht es beim Lernen zu Hause nicht darum, möglichst viel Stoff zu bewältigen oder jede Minute auszureizen. Es geht darum, wie sich Lernen anfühlt – und was davon bleibt, wenn der Tisch wieder leer ist.

Wenn Lernen immer wieder in Streit kippt, ist das kein Zeichen von fehlendem Willen oder mangelnder Fähigkeit. Es ist oft ein Hinweis darauf, dass Nähe, Erwartungen und Anforderungen gleichzeitig zu gross geworden sind. Dann hilft es nicht, noch mehr Druck aufzubauen oder «durchzuziehen». Dann braucht es Klarheit, Entlastung – und manchmal auch einen Schritt zurück.

Kinder lernen am besten dort, wo Lernen begrenzt, überschaubar und vorhersehbar ist. Nicht durch Kontrolle, sondern durch einen verlässlichen Rahmen:

Klare Startpunkte, realistische Lernzeiten und ein bewusster Stopp, bevor es kippt. Gerade dann, wenn es gut läuft.

Lernen darf fordern. Aber es sollte nicht zermürben. Kein schulisches Ziel rechtfertigt einen dauerhaften Beziehungskampf. Wege dürfen sich verändern, Pausen sind erlaubt und Hilfe von aussen ist kein Versagen, sondern oft ein sinnvoller Schritt, wenn Lernen zu Hause festfährt.

Manchmal bedeutet verantwortungsvoll Handeln nicht, noch mehr herauszuholen – sondern rechtzeitig aufzuhören, Druck rauszunehmen und dem Lernen wieder einen Platz geben, der nicht alles überdeckt. Und Mut haben für einen anderen Weg, als man eigentlich geplant hat.
Über uns
  • Wir sind das Kompetenzzentrum für die Gymivorbereitung im Kanton Zürich.
  • Bei uns unterrichten nur ausgebildete Lehrpersonen mit langjähriger Erfahrung rund um den Übertritt.
  • Als kleines Lehrer:innen-Team ist für uns eine enge Betreuung zentral, weshalb wir auch ausserhalb der Kurszeiten für unsere Schüler:innen stets da sind.
  • Struktur und Organisation sind fürs Gymnasium entscheidend – wir geben dies mit auf den Weg.
  • Wir fördern die Selbstständigkeit sowie Eigenverantwortung Ihres Kindes und informieren Sie laufend über dessen Lernstand.
  • Freude und Begeisterung sind uns wichtig.
  • Wir begleiten Ihr Kind nicht nur fachlich, sondern auch mental auf dem Weg zur Gymiprüfung.
Unsere Kursstandorte
Unsere Kursstandorte befinden sich immer an sehr zentralen Lagen, welche ideal mit dem ÖV erreichbar sind. Unsere Schüler und Schülerinnen erwarten moderne Räumlichkeiten, welche mit den neusten Medien ausgestattet sind.
Unser Kursort direkt beim
Zürich Hauptbahnhof
Lagerstrasse 2
8090 Zürich
Unser Kursort direkt beim
Bahnhof Stadelhofen
Falkenstrasse 28A
8008 Zürich