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Zwei Gymivorbereitungskurse gleichzeitig – sinnvoll oder zu viel?

Der Kurs an der Schule läuft bereits, und trotzdem überlegen sich viele Eltern, zusätzlich einen privaten Gymivorbereitungskurs zu buchen. Oder umgekehrt: Das Kind privat angemeldet und dann bietet die Schule doch noch einen eigenen Kurs an. Bringt beides zusammen mehr – oder wird es einfach nur viel? Eine der häufigsten Fragen, die uns Eltern stellen – und eine, die sich nicht mit einem simplen Ja oder Nein beantworten lässt.

von: Sandra Zogg
Diese Frage kommt bei uns fast in jedem Beratungsgespräch. Und sie kommt aus einem guten Ort: Eltern wollen ihrem Kind die bestmögliche Chance geben. Die Prüfung ist anspruchsvoll, die Plätze sind begehrt, und mehr Übung kann ja eigentlich nicht schaden.

Eigentlich. In der Praxis sehen wir oft ein anderes Bild.

Warum «mehr» selten mehr hilft

Sie würden Ihr Kind nicht in zwei verschiedene Fahrschulen schicken. Zwei Fahrlehrer, zwei Methoden, zwei Arten, in die Kurve zu fahren – das verwirrt mehr, als es hilft. Nicht weil eine der beiden Fahrschulen schlecht wäre, sondern weil zwei parallele Systeme sich gegenseitig im Weg stehen.

Bei der Gymivorbereitung ist es genau gleich. Zwei vollwertige Kurse bedeuten zwei Stoffpläne, die nicht aufeinander abgestimmt sind. Zwei Sets Hausaufgaben. Zwei Lehrpersonen, die dieselbe Aufgabe unterschiedlich angehen – und ein Kind, das im Prüfungsmoment nicht mehr weiss, welchen der beiden Wege es nun nehmen soll.

Dazu kommt das, was ohnehin schon läuft: der reguläre Schulunterricht mit Prüfungen und Noten, die für den Übertritt zählen. Hobbys. Musikunterricht. Und – das wird am häufigsten unterschätzt – freie Zeit, in der gar nichts geleistet werden muss.

Was als doppelte Sicherheit gedacht war, wird für viele Kinder zur doppelten Belastung. Weniger Erholung, mehr Druck, und nach ein paar Monaten sinkende Motivation. Die Vorbereitung auf die Gymiprüfung ist ein Langstreckenlauf über beinahe ein ganzes Schuljahr. Motivation ist dabei die wichtigste Ressource überhaupt – und die einzige, die man nicht dazukaufen kann.

Die Ausnahme: der niederschwellige Schulkurs

Es gibt Konstellationen, bei denen die Belastung tatsächlich sehr hoch ist. Manche Kurse an der Schule laufen ruhig und ohne grossen Aufwand: Man geht hin, hört zu, rechnet mit. Wenig bis keine Hausaufgaben, kein Druck, keine Energie, die nachher fehlt. Man lässt sich sozusagen «berieseln». Dann ist eine Kombination unproblematisch. Aber für mich stellt sich dann wiederum die Frage, wie lerneffizient diese Zeit ist und ob sie nicht doch irgendwie lerneffizienter genutzt werden könnte?

Eine Lektion, in der sich ein Kind vor allem berieseln lässt, bringt fachlich wenig. Dieselben (in der Regel) 90 Minuten, investiert in gezieltes Üben an den eigenen Lücken, in einen Aufsatz mit anschliessender Überarbeitung oder in eine konzentrierte Repetition zu Hause, sind deutlich lernwirksamer. Gerade in der intensiven Phase ab Januar zählt jede gut eingesetzte Stunde.

Wer kombiniert, sollte das also bewusst tun – und nicht «zur Sicherheit» einfach beides mitnehmen.

Den sozialen Aspekt nicht unterschätzen

Und jetzt das Gegenargument, das wir selbst wichtig finden: Die Peergroup ist wichtig.

Mit Klassenkolleg:innen am selben Ziel zu arbeiten, zu merken, dass man mit dem Aufwand nicht allein ist, sich über eine gemeine Aufgabe gemeinsam zu ärgern – das trägt viele Kinder durch anstrengende Phasen. Die Gymivorbereitung kann sich sehr einsam anfühlen, wenn rundherum alle anderen freihaben. Ein Kurs, in dem vertraute Gesichter sitzen, nimmt dem Ganzen die Schwere.

Für manche Kinder ist genau das der Grund, den Schulkurs weiterzubesuchen, auch wenn er fachlich nicht mehr viel Neues bringt. Das ist ein absolut legitimer Grund – er sollte nur benannt werden. Dann besucht das Kind den Kus fürs Miteinander und für die Motivation. Und nicht in der Annahme, dass dadurch fachlich doppelt so viel hängen bleibt.

Die häufigsten Konstellationen

Schulkurs + privater Vorbereitungskurs
Beide vollwertig und intensiv: davon raten wir ab. Läuft der Schulkurs niederschwellig, spricht nichts dagegen – dann aber bewusst als sozialer Anker und leichte Repetition, nicht als zweites Standbein.

Vorbereitungskurs (privat oder in der Schule) + punktuelle Nachhilfe
Das funktioniert in der Regel gut, weil sich die beiden nicht konkurrenzieren. Der Kurs gibt die Struktur vor, die Nachhilfe schliesst eine klar benannte Lücke – etwa Bruchrechnen oder Grammatik. Wichtig ist, dass beide Seiten voneinander wissen und am gleichen Strick ziehen.

Vorbereitungskurs (privat oder in der Schule) + Lerncoaching
Auch das ergänzt sich, statt sich zu doppeln. Der Kurs deckt den Stoff ab, das Coaching arbeitet an Lernstrategien, Selbstorganisation, Prüfungsangst oder Blockaden. Gerade bei Kindern, die fachlich eigentlich stark sind, aber an der Umsetzung scheitern, ist das oft wirksamer als eine weitere Fachlektion.

Kurs + Eltern, die zusätzlich üben
Die häufigste unbemerkte Doppelbelastung. Wenn zum Kurs noch tägliches Üben mit den Eltern dazukommt, entsteht schnell ein Pensum, das niemand geplant hat – und dazu ein Konfliktfeld am Familientisch. Eine klare Abmachung, wann geübt wird und wann Feierabend ist, hilft mehr als eine weitere Aufgabenserie.

Woran Sie merken, dass es zu viel ist

Kinder sagen selten «ich bin überlastet». Die Zeichen sind unauffälliger:
  • Die Hausaufgaben werden zunehmend erledigt, um sie hinter sich zu bringen – nicht, um etwas zu verstehen.
  • Das Kind ist am Wochenende müder als unter der Woche.
  • Kleine Rückschläge – eine misslungene Probeprüfung – werfen es stärker aus der Bahn als früher.
  • Hobbys, die Freude machen, werden «vorübergehend» gestrichen. Und dann nicht wieder aufgenommen.
  • Die Stimmung zu Hause dreht sich über Wochen fast nur noch um die Prüfung.
  • Psychosomatische Erscheinungen wie Bauchweh, Kopfweh, Schwindel.
Wenn Sie zwei oder mehr dieser Punkte wiedererkennen, lohnt es sich, eher etwas wegzunehmen als etwas hinzuzufügen.

Vier Fragen vor der Entscheidung

  1. Was genau soll der zweite Kurs leisten, was der erste nicht leistet? Wenn die Antwort «einfach mehr» lautet, ist es meistens die falsche Lösung.
  2. Wie viel Zeit bleibt danach noch übrig? Nicht nur für Hausaufgaben – auch für Erholung, Sport und Langeweile.
  3. Wie geht es meinem Kind heute damit? Nicht: Wie wird es im März sein.
  4. Wäre dieselbe Zeit mit gezieltem Üben besser investiert? Und wenn nein – was spricht sonst für den Kurs? Das Soziale ist eine gültige Antwort.

Unser Fazit

Ein Kurs, der wirklich passt, kombiniert mit einer stabilen Lernroutine zu Hause, ist fast immer wirksamer als zwei Angebote nebeneinander. Mehr Vorbereitung bedeutet nicht automatisch mehr Erfolg – entscheidend ist, wie gezielt und wie ruhig vorbereitet wird.

Wenn Sie kombinieren, dann bewusst und mit klarer Rollenverteilung: ein Kurs als Hauptstruktur, alles Weitere höchstens als gezielte Ergänzung – und mit ehrlichem Blick darauf, wie es Ihrem Kind damit geht.

Und vielleicht am wichtigsten: Ein Kind, das im März ausgeruht, motiviert und mit Vertrauen in sich selbst an die Prüfung geht, hat oft die besseren Karten als eines, das jede freie Stunde geübt hat.

Sind Sie unsicher, was für Ihr Kind das Richtige ist?

Wir schauen uns die Situation gerne gemeinsam mit Ihnen an.
Über uns
  • Wir sind das Kompetenzzentrum für die Gymivorbereitung im Kanton Zürich.
  • Bei uns unterrichten nur ausgebildete Lehrpersonen mit langjähriger Erfahrung rund um den Übertritt.
  • Als kleines Lehrer:innen-Team ist für uns eine enge Betreuung zentral, weshalb wir auch ausserhalb der Kurszeiten für unsere Schüler:innen stets da sind.
  • Struktur und Organisation sind fürs Gymnasium entscheidend – wir geben dies mit auf den Weg.
  • Wir fördern die Selbstständigkeit sowie Eigenverantwortung Ihres Kindes und informieren Sie laufend über dessen Lernstand.
  • Freude und Begeisterung sind uns wichtig.
  • Wir begleiten Ihr Kind nicht nur fachlich, sondern auch mental auf dem Weg zur Gymiprüfung.
  • In diesem Video erhalten Sie einen Eindruck von unseren Lehrpersonen (auf Schweizerdeutsch).
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