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Ist mein Kind ein Gymi-Kind?

Gymi oder Sek – eine Entscheidungshilfe für Eltern

von: Sandra Zogg
Es ist meist ein Abend am Küchentisch, an dem die Frage zum ersten Mal laut ausgesprochen wird. Vielleicht nach dem Elternabend in der 5. Klasse, vielleicht weil eine Kollegin erzählt hat, dass ihre Tochter jetzt einen Gymivorbereitungskurs besucht. Und plötzlich steht sie im Raum:

Ist unser Kind eigentlich ein Gymi-Kind?

Wer diese Frage stellt, spürt schnell, wie viel sie auslöst: Diskussionen über Zukunftschancen, Selbstwertgefühl, die Angst, das Kind zu überfordern – oder ihm etwas vorzuenthalten.
Ist mein Kind ein Gymi-Kind?
Deshalb gleich zu Beginn eine Klarstellung, die sich in unserer täglichen Arbeit mit Kindern immer wieder bestätigt:

Es gibt kein geborenes Gymi-Kind

Die Vorstellung, manche Kinder seien einfach Gymi-Kinder und andere nicht, ist bequem – und falsch. Sie geht von einem statischen Bild von Intelligenz aus: Entweder man hat sie, oder man hat sie nicht. Die Lernforschung zeichnet ein anderes Bild: Fähigkeiten sind nicht in Stein gemeisselt. Sie entwickeln sich – durch Übung, gute Begleitung und die Erfahrung, dass sich Anstrengung lohnt. Diese Haltung heisst Growth Mindset, und sie ist das Fundament unserer Arbeit.

Für die Gymi-Frage bedeutet das eine wichtige Verschiebung: Die Frage ist nicht, ob Ihr Kind ein Gymi-Kind ist. Die Frage ist, ob der gymnasiale Weg, so wie er im Kanton Zürich ausgestaltet ist, jetzt zu Ihrem Kind passt, ob er zu seiner Persönlichkeit, seinen Interessen und seiner Bereitschaft, sich auf diesen Weg einzulassen, passt.

Ein Kind, das heute noch nicht so weit ist, kann es in zwei Jahren sein. Ein Kind mit Bestnoten kann am Gymnasium unglücklich werden, wenn der Antrieb nicht von ihm selbst kommt. Und wieder ein anderes Kind macht eine hervorragende Karriere ganz ohne Gymi.

Was im Kopf eines Primarschulkindes (ca. 11 Jahre) gerade passiert

Die Entscheidung fürs Langgymnasium fällt in einer Phase, in der sich das Gehirn rasant entwickelt. Vieles, was Eltern beobachten, wirkt widersprüchlich – und ist entwicklungspsychologisch genau deshalb normal.

Intelligenz ist nicht dasselbe wie Reife

Ein Kind kann sehr intelligentund trotzdem noch nicht bereit für das Gymnasium sein. Schulischer Erfolg hängt nicht nur vom Verstehen ab. Er erfordert auch Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz, Selbstorganisation und die Fähigkeit, unter Prüfungsdruck einen kühlen Kopf zu bewahren. Diese Fähigkeiten reifen oft deutlich später als die eigentliche Intelligenz.

Gleichzeitig gilt: Die Schule beurteilt immer nur einen Ausschnitt der Fähigkeiten eines Kindes. Gute Noten zeigen, wie gut ein Kind in diesem System zurechtkommt – nicht seinen gesamten Intellekt, seine Kreativität oder sein Potenzial. Das Schweizer Schulsystem vergleicht anhand einheitlicher Prüfungen und ist vor allem in der Berufsausbildung stark. Nur ein geringer Prozentsatz (ca. 22%) machen das Gymi. Für diese starke Selektionierung braucht es messbare Kriterien – doch diese bilden nicht alle Stärken eines Kindes ab.

Deshalb lohnt es sich, nicht nur zu fragen: «Ist mein Kind intelligent genug fürs Gymnasium?», sondern auch: «Ist mein Kind in seiner Entwicklung so weit, dass es seine Fähigkeiten unter den Anforderungen dieses Systems zeigen kann?»

Das Gehirn baut gerade um

Zwischen etwa neun und zwölf Jahren werden im Gehirn Milliarden von Verbindungen neu organisiert: Häufig genutzte Netzwerke werden gestärkt, andere abgebaut. Deshalb wirken Kinder in diesem Alter oft erstaunlich unterschiedlich – sie verstehen anspruchsvolle mathematische Zusammenhänge und vergessen gleichzeitig, die Hausaufgaben einzupacken. Das ist keine Unaufmerksamkeit, sondern normale Gehirnentwicklung.

Das Arbeitsgedächtnis stösst schneller an Grenzen

Viele Eltern kennen die Situation: Zu Hause löste das Kind die Aufgabe problemlos – in der Prüfung scheint plötzlich alles vergessen. Oft liegt das nicht am Wissen, sondern am Arbeitsgedächtnis. Es muss gleichzeitig Informationen speichern, Zwischenschritte merken und Entscheidungen treffen. Unter Zeitdruck ist diese Kapazität bei vielen Elfjährigen noch begrenzt. Flüchtigkeitsfehler entstehen deshalb häufig durch Überlastung – nicht durch fehlende Begabung.

Das Selbstbild entsteht gerade

Zwischen zehn und dreizehn Jahren entwickelt sich das schulische Selbstkonzept besonders stark. Kinder beginnen zu glauben: «Ich bin gut in Mathe.» Oder: «Ich bin einfach nicht der Deutsch-Typ.» Solche Überzeugungen entstehen oft aus wenigen Erfahrungen und begleiten Kinder über Jahre. Umso wichtiger ist die Erfahrung: Anstrengung führt zu Fortschritt. Wer Fehler als Teil des Lernens sehen lernt, entwickelt langfristig mehr Selbstvertrauen als ein Kind, das nur auf gute Noten achtet.

Kinder können sich selbst noch schlecht einschätzen

Ein oft übersehener Punkt: Mit zehn oder elf Jahren entwickelt sich die Fähigkeit, die eigenen Leistungen realistisch einzuschätzen, erst langsam. Manche Kinder überschätzen sich und lernen deshalb zu wenig. Andere unterschätzen sich und trauen sich viel weniger zu, als sie könnten. Gerade deshalb braucht es Erwachsene, die Potenzial erkennen, einordnen und Kindern helfen, Vertrauen in ihre eigene Entwicklung zu gewinnen.

Was im Kopf eines Sekundarschülers (14-15 Jahre) gerade passiert

Beim Entscheid fürs Kurzgymnasium ist das Gehirn deutlich weiter entwickelt – aber noch lange nicht fertig. Jugendliche können komplex denken wie Erwachsene, handeln aber oft noch nicht so.

Plötzlich soll ein Lebensweg gewählt werden

Mit vierzehn oder fünfzehn stehen Jugendliche vor Fragen, die selbst Erwachsene herausfordern: Gymnasium oder Lehre? Berufsmaturität? Welcher Beruf? Was, wenn ich mich falsch entscheide? Dabei reift gerade die Fähigkeit, langfristige Konsequenzen abzuschätzen und Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen, erst in den kommenden Jahren vollständig aus.

Hinzu kommt: Das Schweizer Bildungssystem bietet heute erfreulich viele Wege – Gymnasium, Lehre mit Berufsmaturität, Fachmittelschule, Passerelle, Zwischenjahr oder die Maturität auf dem zweiten Bildungsweg. Für Jugendliche ist das eine grosse Chance und zugleich eine enorme Komplexität: Plötzlich gibt es nicht nur Plan A, sondern auch B, C und D. Viele erleben das als Überforderung – nicht, weil sie zu wenig intelligent wären, sondern weil sie sich erstmals mit Fragen beschäftigen, auf die es keine eindeutig richtige Antwort gibt.

Deshalb brauchen Jugendliche in dieser Phase weniger Druck und mehr Orientierung: Gespräche, Schnupperlehren, Einblicke in Berufe – und das Wissen, dass Bildungswege heute durchlässiger sind als früher. Mit 15 muss niemand seinen gesamten Lebensweg kennen. Wichtig ist der nächste passende Schritt. Gute Entscheidungen entstehen selten aus der perfekten Vorhersage der Zukunft, sondern aus dem Mut, den nächsten Schritt zu gehen und den Weg bei Bedarf anzupassen.

Der Kopf denkt erwachsen – das Gehirn entscheidet noch nicht immer so

Mit vierzehn oder fünfzehn ist das abstrakte Denken weit entwickelt. Jugendliche können analysieren, argumentieren und komplexe Zusammenhänge verstehen – fachlich sind sie deshalb oft bereit fürs Kurzgymnasium. Gleichzeitig reift der vordere Teil des Gehirns – zuständig für Planung, Selbstkontrolle und Weitsicht – noch mehrere Jahre weiter. Viele Jugendliche wissen deshalb genau, was sie tun müssten, schaffen es aber nicht immer, entsprechend zu handeln.

Motivation verändert sich grundlegend

Während Primarschulkinder häufig noch lernen, um Eltern oder Lehrperson zu gefallen, verschiebt sich die Motivation in der Pubertät. Jugendliche fragen sich zunehmend: Passt das zu mir? Will ich das überhaupt? Wofür lohnt sich die Anstrengung? Äusserer Druck funktioniert deshalb schlechter als früher. Nachhaltige Motivation entsteht, wenn Jugendliche den Sinn hinter ihrem Lernen erkennen und eigene Ziele entwickeln.

Das Belohnungssystem übernimmt zeitweise das Steuer

In der Pubertät reagiert das Gehirn besonders stark auf soziale Anerkennung, Erfolgserlebnisse und unmittelbare Belohnungen – bei noch nicht ausgereifter Impulskontrolle. Es ist deshalb völlig normal, dass ein Jugendlicher für eine Stunde TikTok sofort Motivation findet, für die Mathematikprüfung in drei Wochen aber deutlich weniger. Das ist keine Frage des Charakters, sondern Ausdruck der Gehirnentwicklung.

Die eigene Identität wird wichtiger als die Note

Jugendliche beschäftigen sich intensiv mit der Frage: Wer bin ich? Schulische Rückmeldungen treffen sie deshalb oft tiefer als früher – eine schlechte Note wird nicht nur als Misserfolg erlebt, sondern manchmal als Aussage über die eigene Person. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach Selbstständigkeit: Jugendliche wollen ernst genommen und in Entscheidungen einbezogen werden. Eltern, die vom Kontrollieren ins Begleiten wechseln, unterstützen diese Entwicklung meist nachhaltiger.

Der Vergleich mit anderen wird intensiver

Wer ins Kurzgymnasium möchte, gehört häufig bereits zu den Leistungsstärkeren – und die Unterschiede innerhalb dieser Gruppe werden kleiner. Viele Jugendliche erleben deshalb erstmals, dass sie nicht mehr automatisch zu den Besten gehören. Für manche ist das motivierend, für andere verunsichernd. Entscheidend ist, ob ihr Selbstwert von Noten abhängt – oder davon, dass sie Herausforderungen annehmen und sich weiterentwickeln.

Der vielleicht wichtigste Gedanke für beide Altersgruppen: Entwicklung verläuft nicht linear. Ein Kind, das mit elf noch nicht bereit fürs Langgymnasium ist, kann drei Jahre später beste Voraussetzungen fürs Kurzgymnasium mitbringen. Die Frage lautet deshalb oft weniger «Ist mein Kind ein Gymi-Kind?» als vielmehr: «Ist jetzt der richtige Zeitpunkt?»

Was das Gymnasium wirklich verlangt

Zur Entwicklungspsychologie kommt der Schulalltag. Ein genauerer Blick auf das, was das Gymnasium vom ersten Tag an fordert – jenseits von Noten:

Viele Kanäle gleichzeitig. Am Gymnasium laufen von Beginn an deutlich mehr Fächer parallel als in der Primarschule – jedes mit eigener Lehrperson, eigenen Prüfungen, eigenen Erwartungen. Ihr Kind muss lernen, viele offene Kanäle gleichzeitig zu bedienen: heute Französisch-Voci, morgen die Geometrieprüfung, nebenbei der Geografie-Vortrag. Nicht die einzelne Aufgabe ist die Hürde, sondern das Jonglieren mit allen gleichzeitig – eine direkte Anforderung an die noch reifenden exekutiven Funktionen.

Sprachliche Dichte – besonders am Langgymnasium. Was viele Eltern unterschätzen: Das Langzeitgymnasium ist in den ersten Jahren stark sprachenfokussiert. Deutsch, Französisch, Englisch und je nach Schule früh Latein – ein grosser Teil der Woche besteht aus Sprachen. Kinder, die gerne lesen, mit Sprache spielen und Freude an Texten haben, blühen hier oft auf. Für ein Kind, dessen Herz vor allem für Zahlen, Technik oder Naturwissenschaften schlägt, kann die sprachlastige Unterstufe hingegen zäh werden – auch wenn es die Prüfung problemlos bestehen würde. Für solche Kinder ist der Weg über die Sek ans Kurzgymnasium mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Profil manchmal der passendere. Die Unterschiede zwischen den beiden Wegen haben wir im Artikel Langgymnasium oder Kurzgymnasium – was passt zu meinem Kind? ausführlich beschrieben.
Tempo und Eigenverantwortung.
Der Stoff wird schneller vermittelt, weniger wiederholt – und niemand rennt einem Kind hinterher, das den Anschluss verliert. Das ist keine Härte, sondern Teil des Konzepts: Das Gymnasium erwartet, dass Kinder zunehmend selbst Verantwortung für ihr Lernen übernehmen.
Tempo und Eigenverantwortung im Gymnasium

Was es psychologisch fürs Gymi braucht

Fragt man, was Kinder am Gymnasium wirklich trägt, landet man selten bei einem IQ-Wert – sondern bei vier psychologischen Ressourcen:

Selbstwirksamkeit – die erfahrungsbasierte Überzeugung «Wenn ich mich anstrenge, kann ich schwierige Dinge schaffen». Sie gehört zu den stärksten Vorhersagefaktoren für schulischen Erfolg überhaupt und entsteht nicht durch Zureden, sondern durch echte Bewältigungserfahrungen: Aufgaben, die zuerst zu schwer wirkten und dann doch gelangen.

Eine günstige Erklärung für Misserfolg. Kinder, die eine schlechte Note mit «Ich habe das noch nicht genug geübt» erklären, bleiben handlungsfähig. Kinder, die sie mit «Ich bin halt dumm» erklären, geben auf – bei gleicher Begabung. Diese Deutungsmuster sind erlernbar, und Eltern prägen sie täglich mit: durch das, was sie loben (die Anstrengung, nicht die Schlauheit), und dadurch, wie sie über eigene Fehler sprechen.

Frustrationstoleranz und Emotionsregulation. Am Gymnasium wird jedes Kind irgendwann an seine Grenzen stossen – das ist kein Fehler im System, sondern das System. Wichtig ist nicht, nie zu scheitern, sondern nach dem Scheitern wieder anzufangen. Auch diese Fähigkeit reift in diesem Alter erst heran und braucht Erwachsene, die Rückschläge normalisieren statt dramatisieren.
Ein eigener Antrieb.
Die Motivationsforschung zeigt: Nachhaltige Lernmotivation braucht drei Dinge – das Erleben von Kompetenz, ein Mindestmass an Selbstbestimmung und das Gefühl, dazuzugehören. Reiner Aussendruck («Deine Eltern wollen das») trägt vielleicht bis zur Prüfung, aber selten durch die Probezeit. Der Antrieb muss nicht gross sein. Aber er muss dem Kind gehören.
Ein eigener Antrieb in der Gymivorbereitung
Bemerkenswert an dieser Liste: Es steht keine einzige Note darauf. Und alle vier Ressourcen sind entwickelbar. Genau das meint Growth Mindset – nicht als Motivationsspruch, sondern als Arbeitsprogramm.

Vom grossen Fisch zum kleinen Fisch

Ein eigener Antrieb in der Gymivorbereitung
Ein psychologisches Phänomen, das viele Familien überrascht, ist der sogenannte Big-Fish-Little-Pond-Effekt: Kinder beurteilen ihre Fähigkeiten nicht absolut, sondern im Vergleich zu ihrer Umgebung.
In der Primarschule gehörte Ihr Kind vielleicht zu den Stärksten der Klasse. Am Gymnasium trifft es plötzlich auf viele Kinder, die ebenfalls zu den Besten ihrer Primarschulen gehörten. Objektiv kann Ihr Kind gleich leistungsfähig geblieben sein – subjektiv fühlt es sich plötzlich durchschnittlich oder sogar schwach.

Für manche Kinder ist das motivierend. Andere beginnen zum ersten Mal, an ihren Fähigkeiten zu zweifeln – gerade Kinder, deren Selbstwert stark an guten Noten oder der Rolle als «Klassenbeste» hing. Deshalb ist ein stabiles Selbstbild so wichtig: Nicht «Ich bin erfolgreich, weil ich immer besser bin als die anderen», sondern «Ich kann schwierige Herausforderungen meistern, auch wenn andere ebenfalls stark sind.» Wer den eigenen Wert nicht vom Klassenrang abhängig macht, kommt mit diesem «Fischteichwechsel» meist deutlich besser zurecht.

Die ZAP misst nicht, ob Ihr Kind ein Gymi-Kind ist

Ein Punkt liegt uns besonders am Herzen, weil er in vielen Familien für unnötigen Schmerz sorgt: Ein Kind, das die Gymiprüfung nicht besteht, ist nicht automatisch «kein Gymi-Kind». Es hat an einem einzigen Tag die Anforderungen eines ganz bestimmten Prüfungsformats nicht erfüllt – das ist etwas anderes.

Die ZAP prüft nämlich nicht nur Können, sondern auch Formattreue. Wir sehen das in der Vorbereitung immer wieder:

Da ist das Kind, das hervorragend rechnet, aber den Lösungsweg nicht sauber aufschreibt – und Punkte verliert, obwohl das Resultat stimmt. Da ist das Kind, das wunderbar kreative Aufsätze schreibt, aber am Schreibauftrag vorbei – die Prüfung belohnt nicht die schönste Geschichte, sondern die Erfüllung der Aufgabe. Da ist das Kind, das leidenschaftlich gerne liest, sich aber in den Textverständnisfragen verliert, weil das gezielte Beantworten von Fragen zu einem Text eine eigene Technik ist, die mit Lesefreude wenig zu tun hat. Und manchmal fehlen schlicht Kenntnisse in Mathematik oder Grammatik – nicht Begabung, sondern Stoff. Das ist die am einfachsten lösbare aller Lücken.

Keines dieser Kinder ist «kein Gymi-Kind». Alle vier Hürden sind trainierbar: Lösungswege dokumentieren, Schreibaufträge lesen und erfüllen, Textverständnis-Strategien, Stofflücken schliessen. Genau das leistet gute Gymivorbereitung: Sie übersetzt vorhandenes Können in das Format, das die Prüfung verlangt.

Und weil die Prüfung auch vor allem eine Tagesform unter einer bestimmten Prüfungsform ist, sagt sie über die Zukunft am Gymnasium weniger aus, als viele denken:
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Ich hatte schon Kinder, die die Prüfung ganz knapp geschafft haben – und dann Topschülerinnen und Topschüler am Gymi wurden, weil sie das Mindset hatten: dranbleiben, aus Fehlern lernen, sich organisieren. Und ich habe auch das Umgekehrte erlebt: Kinder, die die Prüfung souverän bestanden haben und in der Probezeit ins Straucheln kamen, weil ihnen genau diese Haltung fehlte. Die Prüfung ist eine Momentaufnahme. Was ein Kind am Gymnasium trägt, ist etwas anderes.
Sandra Zogg, Inhaberin Gymivorbereitung Zürich

Die Sek ist kein Trostpreis

Und hier müssen wir ehrlich sein, auch mit uns selbst als Eltern: In vielen Zürcher Familien schwingt bei «Sek» leise Enttäuschung mit. Das ist weder fair noch sachlich richtig. Die Sek A ist ein anspruchsvoller, guter Bildungsweg – und für viele Kinder in diesem Alter der bessere: mehr Zeit zum Reifen, in der Regel überschaubare Klassen, engere Begleitung, weniger Druck. Entwicklungspsychologisch ist sie für manche Kinder schlicht das passendere Umfeld für genau die Reifungsschritte, die das Gymnasium bereits voraussetzt.

Vor allem aber: Die Sek ist keine Sackgasse. Wer nach der 2. oder 3. Sek ans Kurzgymnasium wechselt, sitzt später im selben Maturasaal wie die Langgymnasiastinnen und Langgymnasiasten. Daneben führen FMS, BMS und Passerelle ebenfalls an die Hochschulen. Der Entscheid in der 6. Klasse ist eine Weichenstellung – kein Endurteil.

Genau das ist Growth Mindset im Familienalltag: Wir behandeln den Übertritt nicht als Zeugnis darüber, was unser Kind ist, sondern als Etappe auf dem Weg zu dem, was es werden kann.

Selbstcheck: Wo steht Ihr Kind gerade?

Der folgende Selbstcheck ersetzt keine Beratung – aber er strukturiert Ihre Beobachtungen entlang der vier Ressourcen. Bewerten Sie jede Aussage ehrlich. Das «noch» bei «noch nicht» ist Absicht.

Selbstcheck: Wo steht Ihr Kind gerade?

16 Fragen zu den vier Ressourcen, die am Gymnasium wirklich tragen. Antworten Sie ehrlich – das «noch» bei «noch nicht» ist Absicht.

Frage 1 von 16
Ihr Ergebnis – eine Momentaufnahme, kein Urteil
/ 32 Punkten

Dieser Selbstcheck ersetzt keine Beratung. Er strukturiert Ihre Beobachtungen – und er beschreibt, wo Ihr Kind heute steht, nicht, was es werden kann. Auffällig oft liegt das Ergebnis übrigens quer zu den Noten: Ein Kind mit mittleren Noten und hoher Punktzahl hat bessere Karten als eines mit Spitzennoten und tiefer Punktzahl.

Wenn Sie unsicher sind

Fällt der Selbstcheck gemischt aus, heisst das nicht Nein – es heisst: genauer hinschauen. Manchmal fehlt nicht die Fähigkeit, sondern die Selbstorganisation. Manchmal nicht der Wille, sondern das Zutrauen. Beides lässt sich aufbauen – und zwar deutlich besser vor der Prüfung als während der Probezeit.

Ein Schlusswort

Vielleicht sitzen Sie heute Abend wieder an jenem Küchentisch, an dem diese Frage zum ersten Mal aufgetaucht ist. Dann schauen Sie Ihr Kind an – nicht das Zeugnis, nicht die Prüfungsstatistik, sondern Ihr Kind. Da sitzt kein «Gymi-Kind»» und kein «Sek-Kind». Da sitzt ein Mensch mitten in seiner Entwicklung, mit Stärken, die kein Notensystem vollständig abbildet, und mit Möglichkeiten, die heute noch niemand kennt – auch Sie nicht. Und das ist gut so.

Was Ihr Kind auf seinem Weg am meisten braucht, ist nicht die perfekte Entscheidung. Es sind Eltern, die genau hinschauen, ehrlich abwägen und dann sagen: Wir trauen dir etwas zu – und fangen dich auf. Dass Sie diesen Artikel bis hierher gelesen haben, zeigt: Genau solche Eltern hat Ihr Kind bereits.

Alles andere – Gymi oder Sek, jetzt oder später – ist eine Wegwahl. Wichtig, ja. Aber kein Urteil über Ihr Kind. In ein paar Jahren wird niemand mehr danach fragen, mit wie vielen Punkten die Prüfung bestanden wurde oder ob der Weg über die Sek führte. Bleiben wird etwas anderes: ob Ihr Kind gelernt hat, dass Anstrengung sich lohnt. Dass Fehler zum Lernen gehören und dass zu Hause am Küchentisch jemand sitzt und an es glaubt, unabhängig vom schulischen Weg.
Über uns
  • Wir sind das Kompetenzzentrum für die Gymivorbereitung im Kanton Zürich.
  • Bei uns unterrichten nur ausgebildete Lehrpersonen mit langjähriger Erfahrung rund um den Übertritt.
  • Als kleines Lehrer:innen-Team ist für uns eine enge Betreuung zentral, weshalb wir auch ausserhalb der Kurszeiten für unsere Schüler:innen stets da sind.
  • Struktur und Organisation sind fürs Gymnasium entscheidend – wir geben dies mit auf den Weg.
  • Wir fördern die Selbstständigkeit sowie Eigenverantwortung Ihres Kindes und informieren Sie laufend über dessen Lernstand.
  • Freude und Begeisterung sind uns wichtig.
  • Wir begleiten Ihr Kind nicht nur fachlich, sondern auch mental auf dem Weg zur Gymiprüfung.
  • In diesem Video erhalten Sie einen Eindruck von unseren Lehrpersonen (auf Schweizerdeutsch).
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