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Mögliche Gründe für Prüfungsangst

Prüfungsangst entsteht selten aus einem einzelnen Auslöser. Meist ist sie das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus persönlichen Voraussetzungen, familiären Dynamiken, schulischem Umfeld und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

von: Sandra Zogg
Die folgenden Punkte zeigen mögliche Gründe für Prüfungsangst. Sie sind nicht nach Relevanz oder Gewichtung geordnet. Jeder Faktor kann – je nach Kind/Jugendlicher, Situation und Lebensphase – eine Rolle spielen und unterschiedlich stark wirken. Es sind keineswegs alle Faktoren notwendig; häufig kommen mehrere Aspekte zusammen.

Wichtig ist:
Prüfungsangst ist kein Zeichen von Schwäche, mangelnder Intelligenz oder fehlender Motivation. Im Gegenteil: Oft betrifft sie Kinder und Jugendliche, denen Leistung wichtig ist und die hohe Ansprüche an sich selbst oder aus ihrem Umfeld erleben.
Prüfungsangst
Ursachen Prüfungsangst
Ziel dieser Übersicht ist es, Prüfungsangst verständlich zu machen, Zusammenhänge aufzuzeigen und den Blick weg von Schuldzuweisungen hin zu Verstehen und Entlastung zu lenken. Denn erst wenn klar wird, woher der Druck kommt, kann gezielt und wirksam unterstützt werden.

Familiäre & personale Grundlagen

1. Elternbild, Erziehungsrolle & familiärer Bildungshintergrund

  • (Unausgesprochene) Erwartungen und Leistungsnormen
  • Eigene Ängste der Eltern (Zukunft, Sicherheit, Status)
  • Akademikerfamilie: Gymnasium als erwarteter Weg
  • Nicht-Akademikerfamilie: Gymnasium als Aufstieg -> Angst nicht dazuzugehören oder zu scheitern.

→ Leistung wird zur Zugehörigkeitsfrage.

2. Elternverhalten & Vorbilder

  • Ängstliche Modelle: Kinder übernehmen unbewusst, wie Erwachsene mit Stress, Fehlern und Leistung umgehen.
  • Erziehungsstil: Insbesondere ein autoritärer Erziehungsstil (hohe Erwartungen, geringe Mitbestimmung, wenig Fehlertoleranz) begünstigt Prüfungsangst.
  • Überbehüter:
a) Schutz vor Misserfolg und Frustration
b) Wenig Raum für eigenständige Bewältigung

→ Dies kann dazu führen, dass Kinder ihre eigenen Bewältigungsmöglichkeiten als gering einschätzen.

3. Position in der Familie & Geschwisterkonstellation

  • Vorbildrolle, hohe Erwartungen, Bedürfnis, gesehen zu werden
  • Vergleich mit älteren Geschwistern
  • Einzelkind: starke elterliche Fokussierung, hohe Erwartungsdichte
  • Implizite Rollen und familiäre Vergleiche

→ Leistung wird zum Weg zu Anerkennung und «festem Platz» in der Familie

4. Selbstbild & innere Glaubenssätze

  • «Ich bin nur wertvoll / liebenswert, wenn ich leiste»
  • Angst, Erwartungen zu enttäuschen
  • Verknüpfung von Leistung und Identität

→ Prüfungen greifen direkt den Selbstwert an.

Schulisches Umfeld & soziale Bewertung

5. Peergroup & Klassenklima

  • Stark kompetitives Umfeld
  • Soziale Vergleiche
  • Angst vor Gesichtsverlust vor Gleichaltrigen

→ Prüfungen werden schnell zur Bewährungsprobe vor anderen.

6. Lehrpersonen & Beziehungen

  • Fehlende Beziehungssicherheit
  • Fokus auf Bewertung statt Entwicklung
  • Geringe Sensibilität auf Stressreaktionen

→ Fehlende Beziehungssicherheit kann Stress verstärken und den Leistungsabruf erschweren

7. Classroom-Management der Lehrperson & insbesondere Blossstellung

  • Abfragen vor der Klasse
  • Kommentare in Leistungssituationen
  • Ironie, Druck, Beschämung

→ Prüfung wird mit Bedrohung verknüpft.

8. Klassen- und Schulwechsel & Fischteichprinzip

Prüfungsangst tritt häufig bei Übergängen auf:
  • Klassenwechsel
  • Eintritt in die Oberstufe
  • Übertritt ins Gymnasium
Mit dem Wechsel verändert sich der Beziehungsrahmen:
  • Zuvor «grosser Fisch im kleinen Teich»
  • Neu «kleiner Fisch im grossen Teich»
Plötzlich:
  • Leistungsstärkere oder gleich starke Vergleichsgruppen
  • Andere Normen und Erwartungen
  • Mehr Wettbewerb und Leistungsdichte
In manchen Fällen bleibt die Leistung stabil, reicht im neuen Umfeld jedoch nicht mehr aus, um weiterhin zu den Besten zu gehören.

Das bedeutet nicht, dass ein Kind «schlecht» ist, sondern dass die Anforderungen gestiegen sind und bisherige Strategien nicht mehr genügen.


→ Nicht das Kind verändert sich grundlegend, sondern der Anspruch. Ohne stabiles Selbstwertgefühl und gezielte Strategien kann dies Prüfungsangst begünstigen.

Systemische Druckverstärker

9. Weltuntergangsszenarien

  • «Wenn es nicht klappt, ist alles vorbei»
  • Keine sichtbaren Alternativen zum Gymnasium
  • Ein einzelner Weg = maximaler Druck
  • Fehlendes Wissen über das Schweizer Bildungssystem

10. Frühe Selektion, hohe Tragweite & begrenzter Entwicklungsraum im Bildungssystem

  • Frühe Weichenstellung bei noch unreifer Selbstregulation
  • Einzelne Prüfungen mit sehr hoher Bedeutung
  • Geringe Fehlertoleranz des Systems
  • Wenig Raum für Entwicklung, Umwege und spätere Korrekturen
  • Hoher Entscheidungsdruck in frühem Alter
→ Kinder tragen Verantwortung, die eigentlich systemisch ist.

Meine persönliche Meinung:
Ihr Kind ist nicht «zu wenig belastbar». Häufig ist es das System, das zu früh zu viel Verbindlichkeit verlangt.

Die Gymiprüfung und die Vornoten sagen nicht aus, ob ihr Kind grundsätzlich fürs Gymnasium geeignet ist. Sie zeigen lediglich, ob es diese Prüfung zu diesem Zeitpunkt bewältigen kann. Viele Kinder scheitern an diesem Zeitpunkt – und gehen später trotzdem ihrem erfolgreichen Weg: akademisch oder über andere, genauso wertvolle Bildungs- und Lebenswege.

Individuelle Vulnerabilität & Belastung

11. Genetische Faktoren, Neurodiversität & Individuelle Stresssensitivität

  • Genetische Einflüsse spielen eine Rolle (ca. 30 – 50%)
  • Sie bestimmen nicht, ob Prüfungsangst entsteht, sondern wie sensibel jemand auf Stress reagiert
  • Neurodiversität (z.B. ADHS, ASS, Hochsensibilität, Lernstörungen) beeinflusst Reizverarbeitung und Emotionsregulation
  • Neurodivergente Kinder haben oft grosse Stärken, reagieren in Leistungssituationen jedoch empfindlicher auf:
  • Zeitdruck
  • Reizüberflutung
  • Unklarheit und Bewertung

→ Veranlagung ist kein Hauptgrund, sondern eine Tendenz, deren Wirkung stark vom Umfeld abhängt.

Merksatz:
Prüfungsangst ist nicht «vererbt», sondern entsteht im Zusammenspiel von Veranlagung, Neurodiversität und Umwelt.

Wie Sie als Eltern auch indirekt Ihrem Kind helfen können:
Besonders bedeutsam ist das Rollenmodell der Eltern: Kinder lernen im Umgang mit Stress und Druck weniger durch Erklärung als durch Beobachtung. Wenn Eltern eigene Herausforderungen offen annehmen und konstruktive Strategien entwickeln, kann dies für Kinder ein wertvolles Lernfeld für den eigenen Umgang mit Belastung sein.

12. Fehlende Erholungsräume & Dauerstress

  • Kaum Pausen ohne Leistungsbezug
  • Freizeit ebenfalls leistungsorientiert
  • Dauerhafte Anspannung ohne echte Regeneration
  • Zu wenig Schlaf
  • Ungünstige oder unregelmässige Ernährung
→ Ohne ausreichende Erholung bleibt das Nervensystem im Stressmodus; Konzentration und Leistungsabruf leiden.

Kommentar der Autorin:
Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass Eltern es nicht «falsch» oder böse meinen. Irgendwann ist der Kalender der Kinder einfach voll. Termine, Förderung, Verpflichtungen – alles gut gemeint. Umso wichtiger ist es, bewusst innezuhalten und sich zu fragen: Muss das alles sein? Wie viel Förderung ist hilfreich und wo braucht es wieder Freiraum? Denn genau in diesen freien, unverplanten Momenten entstehen Erholung, innere Stabilität und echtes Wachstum.

13. Negative Prüfungserfahrungen

  • Frühere Blackouts oder deutliche Misserfolge trotz Vorbereitung
  • Nicht bestandene Prüfungen (z.B. Aufnahmeprüfung, Übertritt)
  • Beschämende Situationen (öffentliche Rückmeldungen, Kommentare)
  • Unerwartete Diskrepanz zwischen Lernen und Ergebnis

→ Prüfungen werden unbewusst mit früheren Misserfolgen verknüpft.

Oft reicht ein einziges starkes Erlebnis – eine Schlüsselsituation –, um Prüfungen dauerhaft negativ zu verknüpfen. Diese Erfahrung ist Kindern zunächst nicht immer bewusst. Im Lerncoaching oder im Gespräch zeigt sich dann häufig erst im Nachhinein: «Ah, da war doch etwas.»

Wird diese Situation erkannt und eingeordnet, verliert sie oft bereits einen Teil ihrer Macht – und Prüfungsangst wird wieder verständlich und bearbeitbar.

14. Perfektionismus & Kontrollbedürfnis

  • Sehr hohe eigene Ansprüche
  • Geringe Fehlertoleranz
  • Angst vor Fehlern
  • Alles-oder-nichts-Denken
  • Starkes Bedürfnis nach Kontrolle
Perfektionismus wirkt häufig nicht als Stärke, sondern als Bewältigungsstrategie, um Angst zu kontrollieren – und verstärkt den inneren Druck.

Gut gemeinte Aussagen wie «Du hast doch keine Prüfungsangst – du bist doch immer so gut» können dazu führen, dass Prüfungsangst übersehen und nicht ernst genommen wird.

→ Perfektionismus kann Prüfungsangst verstärken und gleichzeitig unsichtbar machen.

Eltern- & Umfeld-Impuls:
  • Growth Mindset fördern: Fehler sind Helfer – sie zeigen, wo Entwicklung möglich ist.
  • Prozesse loben, nicht nur das Ergebnis: z.B. «Du bist drangeblieben», «Du hast eine gute Strategie gewählt».

Fehlende Werkzeuge & Unterstützung

15. Lernstrategien & Vorbereitung auf Leistungssituationen

  • Fehlendes Wissen darüber, wie man effektiv lernt
  • Unklarheit darüber, was prüfungsrelevant ist
  • Fehlende Transparenz (Inhalte, Gewichte, Erwartungen)
  • Keine geeigneten Strategien für Zeitdruck, Nervosität oder Blackouts
  • Lernen bleibt stofforientiert statt strategieorientiert
  • Besonders herausfordernd für Kinder mit AHDS oder exekutiven Schwierigkeiten

→ Kinder müssen leisten, ohne genau zu wissen, was verlangt wird und/oder wie sie sich wirksam vorbereiten können.
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Je nach Situation braucht es unterschiedliche Ansätze:

Schlusswort

Bei der Auseinandersetzung mit Prüfungsangst geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Verständnis. Entscheidend ist, zu erkennen, wo angesetzt werden kann.

Die gute Nachricht: Prüfungsangst ist veränderbar. Wenn Auslöser erkannt, Rahmenbedingungen angepasst und Kinder gezielt unterstützt werden, kann sich der Umgang mit Prüfungen deutlich entspannen.

Dabei arbeiten wir nicht gegen die Angst, sondern lernen, sie zu verstehen und mit ihr umzugehen. Denn Angst ist nicht per se etwas Negatives: Eine gewisse Nervosität vor einer Prüfung hilft dem Körper, aufmerksam zu sein und Leistung abzurufen. Entscheidend ist, dass sie nicht kippt und blockierend wirkt.

Ich hoffe, dieser Artikel konnte Ihnen helfen, eine mögliche Blockade etwas zu lösen und mehr Zuversicht zu gewinnen. Sollten Sie noch Fragen haben, sind wir gerne für Sie da.

Beste Grüsse
Sandra Zogg
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Quellen

Dieser Artikel basiert auf:

Literatur:
  • Pekrun, R. (2018). Emotionen in schulischen Lern- und Leistungssituationen. Weinheim: Beltz. (Zentrales Werk zu Prüfungsangst, Leistungsdruck und schulischen Emotionen.)
  • Deci, E. L. & Ryan, R. M. (2000). Intrinsic and Extrinsic Motivations: Classic Definitions and New Directions. Contemporary Educational Psychology, 25(1), 54-67.(Selbstbestimmungstheorie: Motivation, Autonomie und Umgang mit Druck.)
  • Dweck, C. S. (2017). Mindset – Die Psychologie von Erfolg und persönlicher Entwicklung, München: Goldmann. (Grundlagen zum Growth Mindset, Fehlerkultur und Prozesslob)
  • Grolimund, F. & Rietzler, S. (2026). Modul Lerntraining mit Kindern: Modulblock Prüfungsangst. Akademie für Lerncoaching, Ausbildungsunterlagen (Praxisorientierte Konzepte zu Lernstrategien, Prüfungsangst und mentaler Vorbereitung.)

Aktuelle Studien:
  • Jijees, F. et al. (2024). Test anxiety and coping strategies among university students. Scientific Reports. → Die Studie zeigt, dass Prüfungsangst eng mit Stress, emotionaler Belastung und eingesetzter Bewältigungsstrategien zusammenhängt und das Wohlbefinden deutlich beeinflusst.
  • De Jonge, S. (2024). Test anxiety fluctuation during low-stakes secondary exams. Journal of Educational Psychology. → Die Untersuchung belegt, dass Prüfungsangst auch in scheinbar wenig bedeutenden Prüfungssituationen stark variieren kann und eng mit wahrgenommener Kontrolle und Selbstwirksamkeit verbunden ist.
  • Abdulbaqi, J. (2024). Evaluation of a test Anxiety Prevention program. SAGE Open. → Die Studie zeigt, dass strukturierte Präventionsprogramme Prüfungsangst reduzieren und den Umgang mit Leistungssituationen nachhaltig verbessern können.
  • Becker, S. (2024). Schulbezogener Stress und schulische Angst. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie. → Die Ergebnisse verdeutlichen den Zusammenhang zwischen schulischem Leistungsdruck, Stressbelastung und der Entwicklung von schulbezogenen Ängsten.
  • Bailey, R. P., & Samsudin, N. (2025). Test Anxiety Research 2014 – 2024: Trends and Implications. International Journal of Learning and Teaching Research. → Die Übersichtsarbeit zeigt aktuelle Forschungsschwerpunkte zu Prüfungsangst, insbesondere zu Selbstwirksamkeit, selbstreguliertem Lernen und wirksamen Interventionen.

Sowie auf langjähriger praktischer Erfahrung von Sandra Zogg in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Eltern.
Über uns
  • Wir sind das Kompetenzzentrum für die Gymivorbereitung im Kanton Zürich.
  • Bei uns unterrichten nur ausgebildete Lehrpersonen mit langjähriger Erfahrung rund um den Übertritt.
  • Als kleines Lehrer:innen-Team ist für uns eine enge Betreuung zentral, weshalb wir auch ausserhalb der Kurszeiten für unsere Schüler:innen stets da sind.
  • Struktur und Organisation sind fürs Gymnasium entscheidend – wir geben dies mit auf den Weg.
  • Wir fördern die Selbstständigkeit sowie Eigenverantwortung Ihres Kindes und informieren Sie laufend über dessen Lernstand.
  • Freude und Begeisterung sind uns wichtig.
  • Wir begleiten Ihr Kind nicht nur fachlich, sondern auch mental auf dem Weg zur Gymiprüfung.
Unsere Kursstandorte
Unsere Kursstandorte befinden sich immer an sehr zentralen Lagen, welche ideal mit dem ÖV erreichbar sind. Unsere Schüler und Schülerinnen erwarten moderne Räumlichkeiten, welche mit den neusten Medien ausgestattet sind.
Unser Kursort direkt beim
Zürich Hauptbahnhof
Lagerstrasse 2
8090 Zürich
Unser Kursort direkt beim
Bahnhof Stadelhofen
Falkenstrasse 28A
8008 Zürich